Archiv für Kategorie ‘Killerspiele’

Wie die Zeit vergeht…

… und sich die Zeiten ändern.

Damals, im Mai 2009, hieß es noch:

Der § 184 b des Strafgesetzbuches, der sexuelle Missbrauch von Kindern, ist ein klar abgrenzbarer Bereich. Auf dieser Grundlage sollen die Listen durch das Bundeskriminalamt unter der Wahrung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit erstellt werden. Dies und nur dies sind die zu sperrenden Inhalte, über die wir derzeit sprechen.

Quelle: Bundesministerin Ursula von der Leyen (CDU) auf spreeblick.com, 14.05.09

Aber die Zeiten ändern sich, derzeit spricht man schon über dieses:

In jedem Fall sollte aber meines Erachtens in der Debatte, welche Maßnahmen zur Gewaltprävention ergriffen werden, die von den Bundesministern von der Leyen und Schäuble vorgeschlagene Sperrung von kinderpornografischen Seiten im Internet mit Blick auf Killerspiele neu diskutiert werden.

Quelle: Thomas Strobl, MdB (CDU) auf abgeodnetenwatch.de, 10.06.09

Wir leben in dynamischen Zeiten.

In Bayern ist die Welt noch in Ordnung

Auch kein Aprilscherz:

Der Innenminister Joachim Herrmann in der Pressemitteilung Nr. 127/09 des Bayerischen Staatsministerium des Inneren:

Für Herrmann ist es wissenschaftlich klar erwiesen, dass der andauernde Konsum derartiger Spiele, in denen Gewalt und Brutalität anders als bei Filmen aktiv ausgeübt und gesteuert wird, die Gewaltbereitschaft fördert und die Fähigkeit, Mitleid zu empfinden, verkümmern lässt. Damit sind derartige Spiele eine der Ursachen für die erschreckende Jugendgewalt und auch für Amokläufe, in den Szenen aus Killerspielen in die Realität übertragen werden.

Natürlich gibt der Innenminister Bayerns nicht mal eben so Stammtischparolen als Pressemitteilung heraus, sondern hat einen Stab der ihn genau informiert und auf den Stand der Forschung bringt.
Er weiß natürlich, das zu einem Amoklauf nebenbei auch noch eine Waffe sowie massiver Mangel an soziale Integration* notwendig ist und auch ein hoher Frustrationspegel, anhaltende Perspektivlosigkeit, fehlende soziale Anerkennung eine Rolle spielen könnten.
Er weiß natürlich, das es Millionen von Computerspielern gibt, die friedlich vor sich hin spielen, während es nicht ein Opfer von Kinderpornographie oder Drogen gibt, dessen Leben nicht davon zerstört wurde.
Er kennt natürlich den Unterschied in den Begriffen Symptom und Ursache.

Aber das ist ja nun mal eine Pressemitteilung und keine wissenschaftliche Abhandlung, da ist für solche Details halt nicht immer Platz.

Killerspiele widersprechen dem Wertekonsens unserer auf einem friedlichen Miteinander beruhenden Gesellschaft und gehören geächtet. In ihren schädlichen Auswirkungen stehen sie auf einer Stufe mit Drogen und Kinderpornografie, deren Verbot zurecht niemand in Frage stellt.

Tja… wie der informierte Innenminister allerdings zu dieser Einschätzung kommt, kann ich jedoch so spontan nicht nachvollziehen.
Wie kann ein informierter Innenminister soetwas…

Ha! Ich habs: Bestimmt war das nicht der informierte Innenminister sondern ein gehetzter Schreiberling, der noch schnell die Pressemitteilung fertig gestellt hat, bevor er zum Üben in den Schützenverein los musste.

Das wird es sein!

Problem gelöst!

In Bayern ist die Welt halt noch in Ordnung, Luft und Gesinnung sauber und Antworten einfach.

Und wenn der Medienpolitische Sprecher der CDU in NRW, Thomas Jarzombek, schreibt

Ein solcher Vergleich ist vollkommen unangemessen und zeugt davon, dass Medienkompetenzdefizite auch in Regierungen zu finden sind.

dann meint er natürlich nicht den Innenminister sondern sicherlich den namenlosen Mitarbeiter in Eile.

Und was lawblog dazu schreibt finde ich jetzt irgendwie pessimistisch und unbayerisch.

Die Killerspiele waren es…

Ein Siebzehnjähriger nimmt Vaterns Waffe, läuft an seiner Schule Amok und erschießt 15 Menschen.
Die Frage nach der Ursache ist natürlich so einfach wie schnell beantwortet. Der Meister der schnellen Antwort, Herr Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble läßt dazu wie folgt verlauten:

Und auch die strengsten Vorschriften könnten nicht verhindern, dass dagegen verstoßen werde. Man dürfe nicht glauben, der Grund für das “schreckliche Geschehen” sei privater Waffenbesitz.
Das eigentliche Problem seien vielmehr die Gewaltdarstellungen. Deswegen sei seiner Ansicht nach nun nicht der Staat gefordert, schärfere Gesetze zu erlassen. Das würde Freiheiten einschränken. Vielmehr stelle sich die Frage, wie wir mit diesen Freiheiten umgehen, sagte Schäuble: “Wenn durch Killerspiele solche Mechanismen in jungen Menschen aktiviert werden: Machen wir von unserer Freiheit in Zeiten moderner Medien nicht einen zu exzessiven Gebrauch?”

Quelle: tagesschau.de

Also privater Waffenbesitz ist nicht der Grund. Niemand darf glauben, das Waffen und Munition in einem Privathaushalt mit pubertierenden Jugendlichen ein Grund zur Besorgnis ist. Auch nicht wenn es 15 Waffen und 4600 Schuss Munition sind, die in Winnenden in einem Privathaushalt lagerten.*

15 Waffen und 4600 Schuss Munition?

Mal so zur Einordnung: Bei der Bundeswehr wurde ich als Rekrut in einer Gruppe ausgebildet. Diese war 12 Mann stark – 11 Rekruten und 1 Truppführer. Die Gruppe war standardisiert bewaffnet: Jeder hatte 1 Schnellfeuergewehr HK G3 bis auf den Kameraden mit dem Maschinengewehr HK 21, der Truppführer hatte zusätzlich 1 Pistole Walther P1 und einer hatte noch 1 Panzerfaust dabei (die lassen wir mal raus, Pumpguns sind zwar nach WaffG für die Jagd als legale Waffe zu haben, Panzerfäuste unverständlicherweise jedoch noch nicht). Munition dafür hatte die Gruppe wie folgt:
Jedes Gewehr verfügt über 1 Magazin in der Waffe und der Soldat zusätzlich 4 Magazine am Gürtel. Ein Magazin fasste 20 Schuss, jeder Soldat hatte also 100 Schuss zur Verfügung. Das MG (selbe Munition wie Gewehr) hatte 200 Schuss. Die Pistole fasste 20 Schuss.
Macht in der Summe 13 Waffen mit 1320 Schuss Munition für eine Gruppe von 12 Soldaten, die damit im Einsatzfall unter Kriegsbedingungen agieren sollen.
Wie viele Waffen und wie viel Schuss Munition lagern da noch mal?

Auf dem Truppen-Schießstand wurde Munition patronenweise ausgegeben, erfasst, überwacht, für unterschrieben und wieder eingesammelt.
15 Waffen und 4600 Schuss Munition lagern da mal eben so als Hobby?

Munition wurde in einem gesicherten Munitionslager in verschlossenen Bunkern aufbewahrt, von bewaffneten Soldaten bewacht.
15 Waffen und 4600 Schuss Munition lagern bei einem Privatmann im Keller?

Also privater Waffenbesitz ist nicht der Grund. Niemand darf glauben, das Waffen und Munition in einem Privathaushalt mit pubertierenden Jugendlichen ein Grund zur Besorgnis ist.
Killerspiele sind das Problem!

Wie war das Motto was [gehirnstürm] ausgegeben hat: Guns don’t kill people, Counter Strike does!

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